Ken Skates, neuer Chef der walisischen Labour-Partei, hat am 1. September 2026 eine Verlagerung zusätzlicher Zuständigkeiten nach Nordwales gefordert. Er sprach sich für eine double devolution aus: Neben der bestehenden Devolution von Westminster nach Cardiff solle es eine weitere Stufe geben, bei der Befugnisse innerhalb von Wales an Regionen, Bezirke und Gemeinden übertragen werden. Die Aussage wurde in regionalen Medien aufgegriffen und von früheren Wortmeldungen im Senedd gerahmt.
Die Forderung knüpft an eine laufende Debatte im Senedd an. Dort wurde in diesem Jahr wiederholt über die Verteilung fiskalischer Mittel, Investitionsprioritäten und die Rolle regionaler Gremien diskutiert. Skates hatte in Plenarsitzungen auf Defizite in Nordwales hingewiesen und argumentiert, Verkehrs- und Wirtschaftsentscheidungen müssten näher an den lokalen Bedarfen getroffen werden. Double devolution meint dabei ausdrücklich zwei Ebenen: erstens die Übertragung von Kompetenzen aus London nach Wales, zweitens die weitere Dezentralisierung von Cardiff zu subnationalen Ebenen innerhalb von Wales.
Befürworter erwarten, dass eine stärkere Regionalisierung Entscheidungswege verkürzt und Projekte in Infrastruktur, Beschäftigungsförderung und Wirtschaftsentwicklung zielgenauer steuert. Kritiker warnen hingegen vor einer Zersplitterung der Zuständigkeiten, vor höheren Verwaltungskosten und vor ungleichen Kapazitäten auf lokaler Ebene. Sie verweisen darauf, dass ohne verlässliche Finanzierungs- und Kompetenzrahmen die Leistungsfähigkeit der Kommunen unterschiedlich ausfallen könnte.
Institutionell wäre die Umsetzung anspruchsvoll. Je nach Bereich wären Gesetzesänderungen auf walisischer Ebene nötig; bei fiskalisch relevanten Befugnissen bliebe zudem die Abstimmung mit dem Vereinigten Königreich erforderlich. In den walisischen Debatten ist der Begriff double devolution nicht neu, doch gewinnt er an Gewicht, seit über Kapazitätsaufbau, Rechenschaftsregeln und faire Finanzierungsmechanismen intensiver beraten wird. Aus den bislang öffentlichen Äußerungen von Ken Skates gehen keine konkreten Gesetzesentwürfe, Zeitpläne oder Summen hervor. Der weitere Prozess hängt von der Ausarbeitung belastbarer Vorschläge, ihrer parlamentarischen Behandlung im Senedd und von Vereinbarungen zwischen Cardiff und Westminster ab.
Politisch verändert die Initiative die Konfliktlinien in Wales nicht grundlegend, rückt aber Nordwales stärker in den Blick. Für die walisische Labour-Partei ist die Präzisierung, welche Aufgaben tatsächlich vor Ort besser zu leisten sind, nun zentral. Die nächste Etappe ist die Übersetzung der Leitidee in konkrete Kompetenzen, Zuständigkeiten und Budgets – und deren Abstimmung mit bestehenden Devolutionsgrenzen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).