Nigel Farage und Jordan Bardella haben am 4. September 2026 beim Reform-UK-Parteitag im National Exhibition Centre in Birmingham eine gemeinsame Absichtserklärung zur Eindämmung von Überfahrten mit kleinen Booten über den Ärmelkanal präsentiert. Farage, Vorsitzender von Reform UK, bezeichnete das Papier als neue Entente Cordiale; Bardella, Präsident des Rassemblement National, sprach von einer künftigen Zusammenarbeit bei Rückführungen und Präventionsmaßnahmen, falls beide Parteien Regierungsverantwortung erlangen sollten.
Bei dem Dokument handelt es sich nach Angaben der Organisatoren um ein Memorandum of Understanding zwischen Reform UK und dem Rassemblement National. Es entfaltet keine völkerrechtliche Bindung und ersetzt keine staatlichen Abkommen. Inhaltlich knüpft es an bekannte Forderungen beider Parteien an, darunter der Einsatz staatlicher Kräfte bis hin zur Marine sowie ein härteres Vorgehen gegen irreguläre Überfahrten. Konkrete operative Mechanismen zwischen den Staaten oder neue rechtliche Verpflichtungen enthält die Erklärung nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.
Eine unmittelbare staatliche Reaktion blieb zunächst aus. Weder die britische Regierung noch das französische Innenministerium kündigten am Tag der Präsentation Verhandlungen über ein neues bilaterales Rückführungsabkommen an. Damit richtet sich die Vereinbarung vor allem an die eigene Anhängerschaft und signalisiert politischen Schulterschluss über Landesgrenzen hinweg, ohne kurzfristige praktische Folgen im Grenzregime zu setzen.
Kritik kam von Oppositionsparteien und Hilfsorganisationen im Vereinigten Königreich. Sie verweisen auf rechtliche, diplomatische und humanitäre Risiken einer Politik, die auf Zurückweisungen auf See oder rasche Rückführungen setzt. Fachleute für Migrations- und Seerecht betonen, dass Pushback-Maßnahmen regelmäßig Berührungspunkte mit internationalen Verpflichtungen, dem Seerecht und dem Schutzsuchendenstatus haben. Auch die für Asyl und Grenzschutz maßgeblichen Verfahren können nur durch gesetzliche Änderungen und formelle Abkommen zwischen Regierungen verändert werden.
Hintergrund ist die seit Jahren anhaltende Debatte über irreguläre Überfahrten über den Ärmelkanal. Die symbolische Entente Cordiale zwischen Reform UK und dem Rassemblement National zielt darauf, den politischen Druck zu erhöhen und eine härtere Grenzpolitik zu versprechen. Solange jedoch keine Regierungsabkommen geschlossen und keine Parlamente eingebunden sind, bleibt die Wirkung auf Ankündigungen und parteipolitische Koordination beschränkt.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).