Verteidigungsminister Wes Streeting hat am 22. Oktober 2026 in Telford die sogenannte Gun Hall eröffnet, eine von Rheinmetall betriebene Fertigungsanlage für Großkaliber-Artillerierohre. In seiner Rede hob Streeting hervor, dass damit nach Jahren wieder Kanonenrohre im Vereinigten Königreich gefertigt würden. Die Anlage solle britischen Stahl nutzen, zunächst rund 100 direkte Arbeitsplätze schaffen und Hunderte weitere in der Zulieferkette stützen.
Streeting ordnete die Eröffnung als Baustein einer Politik ein, die Verteidigungsausgaben mit industriepolitischem Nutzen verknüpfen soll. Souveräne Fertigungskapazitäten seien nötig, um im Krisenfall die Produktion zu steigern und Nachschub zu sichern; Rüstungsfähigkeit und industrielle Resilienz müssten Hand in Hand gehen. Als Erwartung formulierte er, dass die Investitionen über die kommenden zehn Jahre mehr als 400 Millionen Pfund in die britische Wirtschaft einbringen könnten. Diese Angaben stammen aus der am Tag der Eröffnung veröffentlichten Rede.
Der Standort Telford war von Rheinmetall im Mai 2025 bestätigt worden. Nach kommunalen Beschlüssen Anfang 2026 folgte der Aufbau der Fertigung. Nach Unternehmensangaben soll die Gun Hall Kapazitäten für 155-mm-Artillerierohre und 120-mm-Geschütze bereitstellen und in künftige Beschaffungsprogramme im Bündnisrahmen eingebunden werden. Rheinmetall hatte 2025 in Aussicht gestellt, in Telford langfristig mehr als 400 Arbeitsplätze zu schaffen und britische Zulieferer einzubinden. Die nun von der Regierung genannten unmittelbaren Jobs und die Einbindung regionaler Lieferketten beziehen sich auf den Anlauf der Produktion.
Die Regierung bewertet die Anlage als Beitrag zur NATO-Resilienz und zur Versorgungssicherheit des Heeres. Welche regionalen Effekte sich tatsächlich einstellen, hängt von Auftragsvolumen, Lieferverträgen und der Auslastung über mehrere Jahre ab. Branchenbeobachter und Gewerkschaften werden prüfen, in welchem Umfang britische Wertschöpfung stattfindet und ob Qualifizierung sowie Lieferketten plangemäß aufgebaut werden. Parallel untersucht ein Ausschuss des House of Lords im Oktober 2026 die Leistungsfähigkeit der Verteidigungsindustrie; die Einbindung eines großen deutschen Rüstungskonzerns bleibt dabei ein Thema zwischen alliierter Kooperation und nationaler Souveränität.
Das Verteidigungsministerium stellt die Eröffnung in den Kontext einer breiteren Modernisierung des Beschaffungswesens. Aus der Rede Streetings geht hervor, dass die Regierung heimische Kapazitäten gezielt fördern will, ohne internationale Partner zu verdrängen. Konkrete Bestellungen und Zeitpläne für die volle Auslastung der Gun Hall wurden am Eröffnungstag nicht bekanntgegeben und dürften über die tatsächliche wirtschaftliche Wirkung entscheiden.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).