Der britische Branchenverband UK Finance hat am 8. September 2026 gemeinsam mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman einen Bericht vorgelegt, der eine beschleunigte und abgestimmte Strategie für die Tokenisierung der Kapitalmärkte fordert. In einem begleitenden Gastbeitrag in City A.M. mahnt UK‑Finance‑Vorsitzender Bob Wigley verbindliche Zeitpläne und klare Zuständigkeiten an, damit das Vereinigte Königreich Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile realisieren kann.
Der Bericht priorisiert konkrete Anwendungsfälle: allen voran tokenisierte Staatsanleihen sowie Wholesale‑Märkte für festverzinsliche Wertpapiere. Tokenisierung und Digital Money sollten synchron geplant werden, um Abwicklung, Sicherheitenmanagement und Liquidität kohärent zu modernisieren. UK Finance empfiehlt eine nationale Roadmap, die die Arbeiten von HM Treasury, der Bank of England und der Financial Conduct Authority bündelt, sowie ein mit Meilensteinen hinterlegtes Mandat für den Wholesale Digital Markets Champion.
Als Begründung verweist der Verband auf internationalen Druck: Finanzplätze wie New York, Frankfurt und Singapur setzen bereits Pilotprojekte und senden klare regulatorische Signale. Entstehen dort früh Netzwerkeffekte, könnten Marktinfrastruktur und Governance außerhalb des Vereinigten Königreichs verankert werden. London müsse rasch handeln, um Standardsetzung und Wertschöpfung im Land zu halten.
Der Bericht knüpft an bestehende Vorhaben an: die Digital Securities Sandbox der Regierung, Diskussionen über ein mögliches Digital‑Gilt‑Instrument sowie neue innovationsbezogene Zielsetzungen der Bank of England im Zahlungsverkehr. Zugleich betont UK Finance Standortstärken wie den Common‑Law‑Rechtsrahmen, die Tiefe der Kapitalmärkte und ein dichtes Ökosystem von Finanzdienstleistern. Diese böten eine tragfähige Basis, sofern politische Entscheidungen rechtzeitig getroffen werden.
Die Interessenlagen werden klar getrennt: Ökonomisch stehen effizientere Abwicklungsprozesse, geringerer Bedarf an Sicherheiten und neue Vertriebskanäle im Vordergrund. Politisch geht es um Standortwettbewerb und Regulierungshoheit. Institutionell verlangt die Lage eindeutige Rollen zwischen HM Treasury, der Bank of England und der Financial Conduct Authority. Prognosen zur Marktgröße bleiben vorsichtig und beruhen auf modellierten Annahmen; der Bericht vermeidet pauschale Heilsversprechen.
Für die Regierung in Westminster und die Aufsicht ist die Veröffentlichung ein Prüfauftrag. Ohne verbindliche Fristen droht, dass technische und governance‑seitige Standards anderswo verfestigt werden. UK Finance zielt weniger auf eine technologische Vision als auf einen politischen Zeitplan: Entscheider sollen festlegen, welche Meilensteine bis Ende 2027 und 2028 erreicht werden, damit London in tokenisierten Märkten nicht den Anschluss verliert.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).