Kurzmeldung
Teams der University of Nottingham und des Nottingham University Hospitals haben eine nanopore-basierte Sequenziermethode vorgestellt, mit der sich Hirntumoren molekular innerhalb von circa zwei Stunden klassifizieren lassen. In der publizierten Pilotserie wurde das Verfahren während Operationen bei etwa 50 Patientinnen und Patienten eingesetzt; die Arbeitsgruppe berichtet, dass erste Diagnoseergebnisse in der Regel in weniger als zwei Stunden vorlagen, detailliertere Klassifikationen teilweise binnen Minuten nach Beginn der Sequenzierung. Die Methode nutzt portable Nanopore-Sequenzierer als Forschungstool und ist bislang nicht flächendeckend in den Routinelabors implementiert.
Im Vereinigten Königreich prüfen NHS England und die regionalen Genomiknetzwerke, wie solche ultraschnellen Tests in bestehende Diagnostikpfade integriert werden können. Entscheidende Voraussetzungen sind eine unabhängige Validierung der Testergebnisse, standardisierte Qualitätskontrollen nach den Vorgaben des National Genomic Test Directory, Schulungen für Labor- und Operationsteams sowie belastbare Kosten-Nutzen-Analysen. Bislang liegen Berichte über die klinische Machbarkeit und Fallserien vor; Aussagen zur diagnostischen Genauigkeit, Reproduzierbarkeit und zum Einfluss auf Therapieentscheidungen erfordern größere, multizentrische Studien und externe Begutachtung.
Für Patientenversorgung und Studienzugang könnte eine verlässliche Beschleunigung der molekularen Diagnostik bedeuten, dass intraoperative Entscheidungen und die frühzeitige Zuweisung zu zielgerichteten Therapien oder klinischen Studien möglich werden. Fachorganisationen und Patientenverbände begrüßen das Potenzial, mahnen aber zu strenger Evidenzprüfung und gerechter Verteilung des Zugangs über Regionen hinweg. Praktische Integrationsschritte werden derzeit regional, etwa innerhalb des East Genomics-Netzwerks, erprobt; Nottingham gilt weiterhin als führender Teststandort.
Die Technik zeigt klinisches Potenzial, ist jedoch noch nicht für die routinemäßige Anwendung im National Health Service freigegeben. Ob und in welchem Umfang ein landesweiter Rollout erfolgt, hängt von den Ergebnissen laufender Validierungen, regulatorischen Prüfungen und Entscheidungen von NHS England ab.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).