NHS England hat am 22. September 2026 bekanntgegeben, dass Martha’s Rule gestaffelt in sämtlichen Notaufnahmen in England eingeführt wird; die landesweite Ausweitung soll bis zum 31. März 2028 abgeschlossen sein. Martha’s Rule ermöglicht Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden, bei akuten Sicherheitsbedenken eine sofortige klinische Zweitprüfung durch ein unabhängiges Team zu veranlassen. Die Maßnahme sieht unter anderem eine rund um die Uhr erreichbare Telefonnummer und klar definierte Melde‑ und Dokumentationswege vor.
Das Programm geht zurück auf den Tod der 13‑jährigen Martha Mills im Jahr 2021; als Reaktion darauf wurden Verfahren zur frühzeitigen Eskalation entwickelt und seit 2024 schrittweise eingeführt. NHS‑Statistiken und Programmupdates zeigen, dass Martha’s Rule bereits in zahlreichen Akutbereichen angewendet wird: Tausende Anrufe führten zu dringenden Überprüfungen, in einigen Fällen zu Verlegungen auf die Intensivstation oder zu zeitnahen Interventionen. Zugleich verlangt der NHS Standard Contract 2026/27 von Trusts die Implementierung der drei Kernbestandteile von Martha’s Rule bis zum 31. März 2027, was die organisatorische Grundlage der Ausweitung bildet.
Professor Aidan Fowler, National Director of Patient Safety bei NHS England, lobte die bisherigen Effekte auf die Patientensicherheit und betonte, die Ausweitung auf Notaufnahmen könne weitere Schutzmechanismen schaffen. Vertreter von Berufsverbänden begrüßten die Maßnahme, wiesen aber zugleich auf praktische Herausforderungen hin: Die Umsetzung liegt bei den einzelnen NHS Trusts und erfordert dauerhaft erreichbare Dienste, zusätzliche Dokumentationsprozesse sowie Schulungen des Personals – Ressourcen, die insbesondere in Phasen hoher Auslastung knapp sein können.
Für Betroffene schafft die Regel einen formalisierten, beschleunigten Zugang zu einer klinischen Zweitmeinung; für Kliniken entstehen neue organisatorische Verpflichtungen. Ob Martha’s Rule in der Fläche die erwartete Wirksamkeit entfaltet, wird nach Einschätzung von Fachleuten von der Qualität der lokalen Umsetzung, der Schulung der Mitarbeitenden und der Verfügbarkeit zusätzlicher klinischer Ressourcen abhängen. Politisch verstärkt die Ausweitung die Debatte um Verantwortlichkeit, Fehlermanagement und systematisches Lernen innerhalb des National Health Service.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).