Die britische Regierung lässt das 2025 geschlossene Abkommen über die Chagos-Inseln überprüfen und stoppt vorerst die vereinbarten Zahlungen an Mauritius. Ausgelöst wurde der Schritt durch deutliche Kritik von US-Präsident Donald Trump nach seinem Treffen mit Premierminister Andy Burnham am 22. September in New York. Trump nannte die Vereinbarung „terrible“ und „ridiculous“. Verteidigungsminister Wes Streeting sagte am Morgen des 23. September, die Prüfung solle klären, ob die Abmachung ohne klare Unterstützung aus Washington tragfähig sei.
Kern des Abkommens ist die Übertragung der Souveränität über das British Indian Ocean Territory an Mauritius. Zugleich soll der Betrieb der Militärbasis auf Diego Garcia über eine langfristige Nutzungsregelung für das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten gesichert bleiben. Die strategische Bedeutung der Insel für US- und Nato-Operationen im Indischen Ozean war seit der Unterzeichnung im Mai 2025 wiederholt Gegenstand politischer Debatten in London und Washington.
Streeting begründete die Aussetzung der Zahlungen damit, dass „die Übereinkunft nicht gut genug“ sei, wenn die Vereinigten Staaten sie nicht mittrügen. Er stellte zugleich in Aussicht, dass die Überprüfung die sicherheits- und außenpolitischen Folgen des Pakets systematisch bewerten werde. Premierminister Burnham kündigte nach dem Treffen mit Trump an, „die Angelegenheit zu prüfen“, und betonte den Anspruch auf enge Abstimmung mit den wichtigsten Verbündeten. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es ergänzend, frühere Kabinettsbeschlüsse bildeten die Grundlage des Abkommens; nun solle geklärt werden, welche Anpassungen notwendig sein könnten.
Aus der Opposition und aus sicherheitspolitischen Kreisen kommt seit Längerem Kritik an einer vollständigen Souveränitätsübertragung, weil sie potenzielle Risiken für die längerfristige Verfügbarkeit von Diego Garcia für Verbündete sehen. Befürworter verweisen hingegen auf humanitäre und rechtliche Argumente zugunsten von Mauritius und auf die Belange der Chagossian-Gemeinschaft. Dass Washingtons Position maßgeblich ist, gilt in London als sicherheitspolitische Realität: Ohne eindeutige Unterstützung der USA wären Nutzen und Kosten des Pakets neu zu gewichten.
Die Ankündigung der Überprüfung bedeutet kein automatisches Scheitern der Vereinbarung. Möglich sind Nachverhandlungen mit Mauritius sowie präzisere Zusagen zur militärischen Nutzbarkeit Diego Garcias und zu vertraglichen Sicherungen für Verbündete. Konkrete Entscheidungen oder Fristen nannte die Regierung am 23. September nicht. Unklar bleibt vorerst auch, ob und wann die ausgesetzten Zahlungen wieder aufgenommen werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).