Das Office for National Statistics (ONS) hat am 20. Oktober 2026 die Statistik „Average weekly earnings in Great Britain“ für den Zeitraum Juni bis August 2026 veröffentlicht. Dem Bulletin zufolge stiegen die jährlichen Wachstumsraten der regelmäßigen Löhne (regular pay, ohne Boni) auf 3,7 Prozent; dieselbe Rate wiesen auch die Gesamtverdienste (inklusive Boni) aus. Realeinkommen bereinigt um den Verbraucherpreisindex mit Wohnkosten (CPIH) zeigten weiterhin nur geringe Zuwächse. Die ONS hebt hervor, dass die Kennzahl auf einer Stichprobenumfrage beruht und kurzfristige Schwankungen abbilden kann. ([ons.gov.uk](https://www.ons.gov.uk/employmentandlabourmarket/peopleinwork/employmentandemployeetypes/bulletins/averageweeklyearningsingreatbritain/latest))
Die Zahlen verschärfen die Debatte in der Geldpolitik. Das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England hat in seinen Sitzungsprotokollen vom September 2026 die anhaltende Beobachtung von Lohn- und Preisindikatoren betont und den Leitzins (Bank Rate) bis dato bei 3,75 Prozent belassen. Das Gremium bezeichnete den Inflationsausblick als nach oben geneigt und erklärte, man sei bereit, bei anhaltendem Preis- und Lohndruck zu handeln. Damit besteht ein klarer Zusammenhang zwischen dem jüngsten Lohnsignal und der Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England die Zinsentscheidung bei künftigen Sitzungen erneut überprüft. ([bankofengland.co.uk](https://www.bankofengland.co.uk/monetary-policy-summary-and-minutes/2026/september-2026))
Ökonominnen und Ökonomen werten das Anziehen der regelmäßigen Löhne als Indikator für stärkeren inländischen Preisdruck, insbesondere im Dienstleistungssektor, wo Lohnstückkosten die Preise häufiger weitergeben. Entscheidend bleibt, ob sich der Trend in den kommenden Datenfeststellungen bestätigt und wie Produktivität, Arbeitsangebot sowie importierte Preisimpulse die Perspektive verändern. Die BoE betont in ihren Protokollen, dass nur ein anhaltender Rückgang des nominalen Lohnauftriebs eine sichere Rückkehr der Verbraucherpreise zum Ziel von zwei Prozent erlauben würde. ([bankofengland.co.uk](https://www.bankofengland.co.uk/monetary-policy-summary-and-minutes/2026/september-2026))
Die ONS-Daten vom 20. Oktober 2026 liefern ein belastbares, wenn auch nicht alleiniges Argument für ein restriktiveres Zinsniveau im Vereinigten Königreich. Eine definitive Entscheidung des Monetary Policy Committee hängt jedoch von weiteren Veröffentlichungen und der Gesamtschau des Gremiums ab. Sollte das Lohnwachstum nachhaltig bleiben, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins länger auf dem aktuellen Niveau verharrt oder weiter angehoben wird.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).