Die stellvertretende Vorsitzende der Green Party, Rachel Millward, hat auf dem Parteitag der Partei in Brighton gefordert, die angeschlagenen Wasserversorger Thames Water und South East Water in öffentliche Hand zu überführen – ohne Entschädigungen an Aktionäre oder Gläubiger. Die Unternehmen seien faktisch insolvent und hätten ihre Pflichten gegenüber Kundinnen und Kunden sowie der Umwelt wiederholt verletzt, sagte Millward. Ihre Aussagen erfolgten am 3. Oktober 2026 und wurden von britischen Medien sowie in einer veröffentlichten Fassung ihrer Rede dokumentiert.
Der Vorstoß fällt in eine anhaltende Debatte über die Zukunft der privatisierten Wasserversorgung in England. Seit Jahren stehen hohe Verschuldung, veraltete Netze und Umweltverstöße – etwa durch Abwassereinleitungen – in der Kritik. Die Aufsicht Ofwat hat wiederholt auf unzureichende Investitionen hingewiesen und Sanktionsmöglichkeiten genutzt. Die Labour‑Regierung skizziert einen Kurs der stärkeren öffentlichen Kontrolle und der schärferen Regulierung, setzt jedoch primär auf schrittweise Reformen. Millward bezeichnete dies als unzureichend und forderte ein rasches Eingreifen mit Eigentumsübertragung an den Staat.
Rechtlich kommt in Großbritannien für notleidende Versorger ein Sonderverwaltungsregime in Betracht, das die Aufrechterhaltung der Versorgung sichern soll. Eine dauerhafte Verstaatlichung wirft jedoch komplexe Fragen auf: Wie werden bestehende Schulden behandelt, wie lassen sich notwendige Investitionen finanzieren, und in welchem Umfang sind Entschädigungen nach geltendem Recht zu leisten? Befürworter argumentieren, bei wirtschaftlich wertlosen Aktien sei eine Übernahme ohne Ausgleich möglich. Kritiker verweisen auf potenzielle Kosten für den Staat, langwierige Übergänge und mögliche Auseinandersetzungen mit Gläubigern.
Politisch markiert die Forderung der Green Party eine klare Abgrenzung sowohl vom bisherigen Privatisierungsmodell als auch vom graduellen Reformansatz der Regierung. Konkrete Umsetzungsschritte – etwa zur Absicherung der Versorgung, zur Schuldenstruktur der Unternehmen und zur Einbindung der Regulierungs- und Umweltbehörden – blieben in Millwards Ankündigung offen. Es handelt sich um eine parteipolitische Positionierung; ihre Realisierung hängt von parlamentarischen Mehrheiten, rechtlichen Verfahren und der Haushaltslage ab.
Die Frage der künftigen Eigentums- und Steuerungsstrukturen in der Wasserversorgung hat landesweite Bedeutung: Versorgungssicherheit, Wasserqualität und Umweltstandards betreffen weite Teile Englands, zugleich stehen Milliardeninvestitionen in Netze und Kläranlagen an. Ob und wie die Regierung den Druck aus der Opposition und aus der öffentlichen Debatte aufnimmt, wird sich in den kommenden Wochen in Westminster und bei Ofwat zeigen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).