Gläubiger von Thames Water haben nach übereinstimmenden Medienberichten einen Rettungsplan vorgelegt, der die Einsetzung eines neuen Verwaltungsrats und eine Rekapitalisierung in der Größenordnung von £10 Mrd. vorsieht. Der Vorstoß zielt darauf, ein staatliches Sonderverwaltungsregime abzuwenden und die Handlungsfähigkeit des größten englischen Wasserversorgers zu sichern.
Hinter dem Vorschlag steht ein Zusammenschluss von rund 100 institutionellen Gläubigern, die etwa £17 Mrd. der Verbindlichkeiten halten. Das Konsortium firmiert als London & Thames Valley Water und hat mehrere Personalvorschläge genannt, um Vertrauen bei Regierung und Aufsicht zu stärken: Als mögliche Direktoren werden die frühere Yorkshire‑Water‑Chefin Liz Barber und Clive Selley, der langjährige Ex‑Chef von Openreach, gehandelt; als künftiger Vorsitzender ist Mike McTighe im Gespräch. Der Plan bedarf politischer Zustimmung und regulatorischer Prüfung und ist bislang kein bindender Beschluss.
Die Gläubiger argumentieren, ein erfahrenes Board solle operative Stabilität herstellen und Investitionen in Netze und Umweltschutz beschleunigen. Kritiker halten dagegen, eine reine Umbesetzung ändere wenig an strukturellen Fehlanreizen der privatisierten Wasserwirtschaft. Die Kampagnenorganisation We Own It sprach von einem „abgekarteten Spiel“ zulasten der Öffentlichkeit.
Regulatorisch liegt die Hauptverantwortung bei Ofwat; auf Regierungsseite sind insbesondere das Umweltministerium Defra und das Schatzamt HM Treasury in Gespräche eingebunden. Offen ist, ob die Regierung den Vorschlag akzeptiert oder ob die rechtlichen Voraussetzungen für ein Sonderverwaltungsregime geschaffen bzw. angewandt werden. Ebenfalls unklar bleibt, wie die Lasten zwischen Eigentümern, Gläubigern, Steuerzahlern und Kunden verteilt würden – etwa über mögliche Billerhöhungen, Kapitalmaßnahmen oder Forderungsverzichte.
Der Rettungsplan ist vor dem Hintergrund anhaltender Debatten über Wasserqualität, Leckagen und Verschuldung zu sehen. Thames Water steht seit Längerem unter Druck, nachdem Investitionslücken und Umweltverstöße die politische Geduld strapazierten und frühere Eigenkapitalzusagen nicht im erhofften Umfang geflossen waren. Die nun skizzierte Lösung würde eine neue Governance‑Struktur mit zusätzlichem Kapital kombinieren; sie bleibt jedoch an Bedingungen geknüpft und könnte von der Regierung mit Auflagen versehen oder zurückgewiesen werden. Bis zu einer Entscheidung bleibt das Sonderverwaltungsregime als Notfalloption auf dem Tisch.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).