Rund drei Viertel der Beschäftigten in Notaufnahmen (Accident and Emergency, A&E) im Vereinigten Königreich berichten, täglich oder wöchentlich Gewalt oder Aggression ausgesetzt zu sein. Das geht aus einer am 6. September 2026 publizierten Berichterstattung der Zeitung The Guardian über eine Umfrage unter mehr als 2.000 A&E-Beschäftigten hervor. Der Erhebung zufolge zählen zu den Vorfällen verbale, körperliche und sexuell belästigende Übergriffe; insgesamt gaben 96 Prozent der Befragten an, bereits irgendeine Form von Missbrauch erlebt zu haben. Das Royal College of Emergency Medicine (RCEM) und Vertreter der Fachgesellschaft, darunter Ian Higginson, führen die Zunahme unter anderem auf überfüllte Notaufnahmen, lange Wartezeiten und Personalmangel zurück.
Als Kontext verweist die Berichterstattung auf eine frühere Auswertung von Meldedaten aus England: 212 NHS-Trusts registrierten zwischen 2022 und 2025 zusammengenommen mehr als 295.000 Fälle physischer Gewalt und Aggression gegen Personal – im Durchschnitt etwa 285 Vorfälle pro Tag. Fachverbände warnen, dass die anhaltende Belastung die Personaldecke weiter ausdünnen und die Versorgungssicherheit gefährden kann.
Die Regierung hat im Sommer neue verbindliche Vorgaben für Arbeitgeber im Gesundheitswesen eingeführt. Das Department of Health and Social Care veröffentlichte am 6. Juli 2026 die NHS staff standards. Sie verpflichten Arbeitgeber im National Health Service (NHS) unter anderem zu einem standardisierten Gewaltpräventions- und -reduktionsprogramm (Violence Prevention and Reduction, VPR). Vorgesehen sind ein benannter Verantwortlicher für VPR, jährliche Verbesserungspläne, verpflichtende Schulungen sowie belastbare Systeme zur Meldung, Auswertung und Nachsorge von Vorfällen. Nach Regierungsangaben sollen die Standards den Arbeitsschutz stärken und die Erfassung von Vorfällen vereinheitlichen.
Tatsachen und Zuschreibungen: Die berichteten Umfragewerte und Einordnungen stammen aus der Guardian-Recherche vom 6. September 2026. Die genannten Pflichtvorgaben sind in der Veröffentlichung des Department of Health and Social Care vom 6. Juli 2026 dokumentiert. Aussagen zu Ursachen – Überfüllung, Wartezeiten, Personalknappheit – werden dem Royal College of Emergency Medicine zugeschrieben.
Die neuen NHS staff standards schaffen einen verbindlichen Rahmen für Prävention, Meldewesen und Unterstützung Betroffener. Sie adressieren jedoch nur indirekt strukturelle Ursachen der Gewalt in Notaufnahmen wie den chronischen Personalmangel und Engpässe in der Akutversorgung. Die hohe gemeldete Regelmäßigkeit von Übergriffen erhöht das Risiko für Stressfolgen, Burnout und Fluktuation im A&E-Personal – mit möglichen Rückwirkungen auf die Wartezeiten und die Patientenversorgung im gesamten Vereinigten Königreich.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).