Die Bank of England entscheidet heute über den Leitzins. Vor dem Treffen in London erwarten viele Marktteilnehmer eine erneute Straffung, weil höhere Energiepreise den Inflationsdruck zuletzt verstärkt haben. Die Notenbank hatte wiederholt betont, dass sie auf sogenannte Zweitrundeneffekte reagiert, wenn teurere Energie sich dauerhaft in Preisen und Löhnen niederschlägt.
Analysten verweisen auf den jüngsten Anstieg der Öl- und Gasnotierungen sowie auf wieder festere Kraftstoffpreise. Das nährt die Sorge, dass der Rückgang der Inflation im Vereinigten Königreich ins Stocken geraten könnte. Die Bank of England zielt langfristig auf zwei Prozent Verbraucherpreisinflation. Ob die geldpolitische Straffung fortgesetzt werden muss, hängt nach Einschätzung von Beobachtern davon ab, wie breit die Preisdynamik inzwischen in die Binnenwirtschaft eingesickert ist.
Innerhalb des neunköpfigen Monetary Policy Committee wird vor allem darüber gerungen, wie groß das Risiko zusätzlicher Lohn-Preis-Impulse ist. Ein Teil der Mitglieder warnt, dass ein zu spätes Gegensteuern die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels beschädigen könnte. Andere mahnen, die bereits spürbare Belastung für Haushalte und Unternehmen nicht zu unterschätzen, zumal Finanzierungskosten seit Monaten hoch sind. Die Entscheidung und der begleitende Ausblick zur künftigen Zinsbahn werden an den Finanzmärkten genau gelesen werden.
Fiskalische und konjunkturelle Rahmenbedingungen erschweren die Abwägung. Das Office for Budget Responsibility rechnet in seinem jüngsten Economic and Fiscal Outlook mit einem dämpfenden Effekt höherer Energiepreise auf das Wachstum und mit anhaltenden Risiken für die Teuerung. Das erhöht den Druck auf die Geldpolitik, ohne dass sie die eigentliche Ursache – globale Energiepreise – unmittelbar beeinflussen kann.
Für Kreditnehmer im Vereinigten Königreich hätte eine Anhebung unmittelbare Folgen, vor allem bei variabel verzinsten Hypotheken und Unternehmenskrediten. Banken dürften Konditionen im Neugeschäft weiter nach oben anpassen. Auf mittlere Sicht soll eine straffere Geldpolitik dazu beitragen, die Inflation wieder auf Ziel zu bringen und Planungssicherheit zu verbessern. Ob die Bank of England nach heutigem Beschluss weitere Schritte in Aussicht stellt oder auf datenabhängige Entscheidungen verweist, könnte darüber entscheiden, ob Märkte zusätzliche Erhöhungen einpreisen oder von einem einmaligen Schritt ausgehen.
Unabhängig vom heutigen Votum gilt: Die Notenbank wird die Entwicklung von Energiepreisen, Löhnen und Kerninflation eng verfolgen und die Bank Rate entsprechend der Datenlage anpassen. Aussagen des Vorsitzenden und des geldpolitischen Ausschusses nach der Entscheidung geben Aufschluss über die Gewichtung dieser Faktoren.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).