Das britische Ministry of Defence hat am 28. August 2026 mitgeteilt, dass das Start-up Blakcro mit Unterstützung des Programms UK Defence Innovation ein fußstartfähiges Militär-Gleitschirm-System entwickelt hat. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um das erste in Großbritannien entwickelte System dieser Art. Vorgesehen sind Erprobungen mit Einheiten der Streitkräfte; das Ministerium nannte in diesem Zusammenhang die Royal Marines und das Parachute Regiment.
Kern des Vorhabens ist eine neue Einsetzoption aus der Luft, die ohne Landebahn, Hubschrauber oder Absetzflugzeug auskommt. Das System soll Soldatinnen und Soldaten verdeckte An- und Absetzwege mit geringer Signatur eröffnen und damit Lücken zwischen konventionellen Luftlande- und Hubschrauberoperationen schließen. Konkrete Zeitpläne für die Einführung nannte das Ministerium nicht.
Die Förderung erfolgt über UK Defence Innovation, ein Programm, das insbesondere kleine und mittlere Unternehmen an die Verteidigungsbeschaffung heranführen soll. Blakcro hat seinen Sitz in Wiltshire und entwickelt nach eigenen Angaben Ausrüstung für persönliche Luftmobilität. Aus dem Ministerium heißt es, die Unterstützung ziele auf die Stärkung heimischer Zulieferketten und die beschleunigte Erprobung vielversprechender Technologien.
Regulatorisch und technisch bleiben mehrere Schritte zu klären, bevor eine breitere Nutzung in Betracht kommt. Dazu zählen Prüf- und Zulassungsprozesse der Military Aviation Authority, die Integration in bestehende Sicherheits- und Luftraumverfahren sowie Erprobungen unter Nacht- und Schlechtwetterbedingungen. Auch Fragen der Instandhaltung, der Ausbildung der Bedienerinnen und Bediener sowie der logistischen Versorgung sind entscheidend für die spätere Nutzbarkeit.
Fußstartfähige, motorisierte Gleitschirme gelten im zivilen Bereich als ausgereifte Technologie, wurden militärisch im Vereinigten Königreich bisher jedoch nicht standardisiert eingesetzt. Die nun angekündigte Entwicklung schafft die Grundlage für taktische Nischenanwendungen, etwa Aufklärung, Führungsvorhalt oder punktgenaue Verbringung kleiner Teams. Ob daraus eine reguläre Fähigkeit entsteht, hängt von den Testergebnissen, den Betriebskosten und der Einbindung in das Gefechtsfeld- und Luftlagebild ab. Hinweise auf Exportvorhaben oder vertraglich fixierte Stückzahlen liegen derzeit nicht vor.
Das Ministerium stellte klar, dass die Bekanntmachung eine Entwicklungs- und Erprobungsphase beschreibt. Abschließende Beschaffungsentscheidungen und umfassende Einsatzregeln bleiben der Auswertung der Tests vorbehalten.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).