Die Universität Gent hat den US‑Forscher Nathan Cofnas am 20. August 2026 vorläufig suspendiert und ein internes Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Hochschule begründete den Schritt mit der Prüfung, ob Cofnas’ öffentliche Äußerungen im Zusammenhang mit dem Fall des verstorbenen Soziologen Jason Arday gegen universitäre Verhaltensregeln verstoßen. Zugleich betonte die Universität Gent den hohen Stellenwert der Akademischen Freiheit, verwies aber darauf, dass diese an die Achtung der Menschenwürde und an das Diskriminierungsverbot gebunden sei.
Auslöser ist eine seit Anfang August öffentlich geführte Auseinandersetzung: Nathan Cofnas hatte in einem Blogeintrag und in sozialen Netzwerken Plagiatsvorwürfe gegen Jason Arday erhoben. Arday war 2023 als jüngster schwarzer Professor an der Universität Cambridge berufen worden. Er trat am 5. August 2026 von seiner Professur zurück und wurde am 14. August in London tot aufgefunden. Die Plagiatsvorwürfe sind bislang in keinem formellen Verfahren bestätigt worden.
Die Universität Cambridge kündigte Anfang August eine Überprüfung der Vorwürfe an; ein Ergebnis liegt bislang nicht vor. Aus der britischen Hochschullandschaft wurden danach Forderungen laut, Prüfmechanismen für wissenschaftliche Integrität transparenter zu machen, ohne Vorverurteilungen zu begünstigen.
Cofnas teilte öffentlich mit, die Universität Gent habe ihm eine Untersuchung wegen Diskriminierung angekündigt; er rechne mit einer Kündigung. Die Hochschule äußerte sich nicht zu Details des laufenden Verfahrens und verwies auf Vertraulichkeitsregeln. Inhaltlich stellte sie klar, dass in Kommunikationsfragen und im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen universitätsinterne Standards gälten, die auch für außerdienstliche Äußerungen relevant sein können, wenn Rechte Dritter berührt werden.
Der Fall berührt Grundfragen des akademischen Betriebs: Befürworter der Suspendierung argumentieren, Grenzen der Meinungsäußerung seien dort erreicht, wo Diskriminierung beginne und Personen reputationsschädigend adressiert würden. Kritiker warnen vor einem Klima der Selbstzensur und sehen die Akademische Freiheit in Gefahr, wenn scharfe, aber themenbezogene Kritik sanktioniert werde. Für das Vereinigte Königreich steht der Umgang mit wissenschaftlicher Redlichkeit und institutioneller Verantwortung im Fokus; für Belgien stellt sich die Frage, wie Universitäten den Spagat zwischen freier Debatte und Schutz vor Persönlichkeitsverletzungen rechtssicher organisieren.
Unabhängig vom Ausgang des Disziplinarverfahrens an der Universität Gent bleibt festzuhalten: Die Vorwürfe gegen Jason Arday sind Gegenstand einer eigenen Überprüfung an der Universität Cambridge. Welche Folgen die Vorgänge für Richtlinien zu Forschungsintegrität und Kommunikationsstandards an europäischen Hochschulen haben, wird von den beteiligten Institutionen erst in den kommenden Wochen und Monaten zu entscheiden sein.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).