Gesundheit

Studie: Fünf Krisen verschlechterten dauerhaft die seelische Gesundheit im Vereinigten Königreich

Eine in BMJ Mental Health veröffentlichte Auswertung verknüpft Brexit, zwei Covid‑Lockdowns, Russlands Überfall auf die Ukraine und das Mini‑Budget 2022 mit einem anhaltenden Anstieg psychischer Belastung in der Bevölkerung.

Eine neue, in BMJ Mental Health publizierte Längsschnittstudie meldet einen dauerhaften Rückgang der seelischen Gesundheit im Vereinigten Königreich nach fünf markanten gesellschaftlichen Schocks der vergangenen Jahre. Analysiert wurden Angaben von 87.857 Personen aus der UK Household Longitudinal Study im Zeitraum 2009 bis 2024. Die Forschenden ordnen den beobachteten, anhaltend erhöhten Wert psychischer Belastung vor allem dem Brexit-Referendum, den ersten beiden Covid-19‑Lockdowns, Russlands Invasion der Ukraine und dem Mini‑Budget 2022 zu.

Der aktuelle Anlass ist die Veröffentlichung der Begutachteten Arbeit in BMJ Mental Health; parallel liegt ein Open‑Access‑Manuskript im Repository von University College London vor. Gemessen wurde mit dem etablierten 12‑Item‑General‑Health‑Questionnaire, der Symptome von Angst und Depression in der Allgemeinbevölkerung erfasst. Die Modelle weisen auf deutliche Sprünge unmittelbar nach dem Brexit‑Votum 2016 und dem ersten Covid‑19‑Lockdown 2020 hin. Nach dem Beginn des Kriegs gegen die Ukraine und nach dem Mini‑Budget 2022 unter Premierministerin Liz Truss zeigen die Daten kleinere, aber über Monate anhaltende Zuwächse.

Wichtig ist die Abgrenzung: Die Studie zeigt statistische Zusammenhänge in der Zeitreihe, keine gesicherten Kausalursachen. Um kurzfristige Schockeffekte von längerfristigen Trendverschiebungen zu trennen, nutzte das Team unter anderem unterbrochene Zeitreihenanalysen. Die Ergebnisse deuten darauf, dass sich Lasten ungleich verteilen: Jüngere Erwachsene, Frauen, Angehörige ethnischer Minderheiten, Arbeitslose sowie Menschen in wirtschaftlich benachteiligten Regionen waren im Mittel stärker betroffen als Vergleichsgruppen.

Im politischen Kontext hat insbesondere das Mini‑Budget 2022, das erhebliche Turbulenzen an den Finanzmärkten auslöste, laut Studie mit einem anschließenden, persistierenden Anstieg psychischer Belastung korreliert. Für die Gesundheits‑ und Sozialpolitik leiten die Autorinnen und Autoren ab, die Versorgungskapazitäten und Präventionsangebote gezielt dort zu stärken, wo Verwundbarkeit höher ist.

Die Arbeit ordnet frühere Einzelfallanalysen in einen gemeinsamen Rahmen ein, indem sie mehrere, teils überlappende Makroereignisse zugleich betrachtet. Damit liefert sie einen belastbaren, aktuellen Anlass zur Debatte über die Resilienz der Bevölkerung gegenüber politischen und geopolitischen Schocks. Prognosen über die weitere Entwicklung treffen die Forschenden nicht; sie verweisen jedoch darauf, dass wiederholte Krisen kumulative Belastungen hervorrufen können, wenn Schutzfaktoren in Versorgung, Einkommen und sozialer Teilhabe fehlen.

Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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