Die schottische Regierung hat am 29. August 2026 ein Papier mit Vorschlägen für eigene, zielgenaue Visa veröffentlicht und die britische Regierung zu Verhandlungen über regionale Zuwanderungsrouten aufgefordert. Wirtschaftsminister Tom Arthur argumentiert, ein an landesweiten Durchschnittswerten im Vereinigten Königreich ausgerichtetes System werde den Bedürfnissen Schottlands nicht gerecht, insbesondere in ländlichen und insularen Gemeinden sowie in Branchen mit Engpässen wie der Sozialpflege.
Das Papier skizziert drei Instrumente: ein Scottish Visa, ein Rural Visa und ein Scottish Graduate Visa. Damit sollen gezielt Fachkräfte und Absolventinnen und Absolventen für Regionen und Sektoren gewonnen werden, in denen der Arbeitsmarkt besonders angespannt ist. Die Zuständigkeit für Visapolitik liegt jedoch beim Vereinigten Königreich. Edinburgh strebt daher „konstruktive Gespräche“ mit dem britischen Migrationsminister an. Die Vorlage versteht sich als Beitrag zur Politikdebatte und erhebt keinen Anspruch auf unmittelbare Gesetzesänderungen.
Hintergrund sind neue amtliche Projektionen der National Records of Scotland. Demnach dürfte Schottlands Bevölkerung ab Mitte 2034 sinken. Für Mitte 2049 wird eine Einwohnerzahl von rund 5,47 Millionen erwartet, wenn sich die jüngsten Trends fortsetzen. Dazu zählt eine im Vergleich zu den Vorjahren geringere Nettozuwanderung. Bereits zwischen Mitte 2024 und Mitte 2025 haben 20 der 32 Council Areas Bevölkerungsverluste verzeichnet. Zugleich wächst der Anteil älterer Menschen – mit Folgen für öffentliche Dienste, lokale Wirtschaft und Finanzen.
Die Regierung in Edinburgh und die Scottish Government verweisen darauf, dass Migration in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Stabilisierung der Erwerbsbevölkerung beigetragen habe. Ein differenzierter Ansatz solle negative demografische Effekte abmildern und Gemeinden stärken, ohne die gesamtstaatlichen Ziele der Einwanderungspolitik zu unterlaufen. Befürworter sehen in regional zugeschnittenen Visa ein Instrument, um Personalengpässe schneller und zielgerichteter zu beheben und die Ansiedlung in schrumpfenden Regionen zu fördern.
Ob London die Vorschläge aufgreift, ist offen. Da das britische Parlament für die Visaregeln zuständig ist, wären für spezielle schottische Routen entweder Anpassungen innerhalb des bestehenden Systems oder ein Pilotmodell nötig. Die schottische Seite setzt auf Gespräche mit dem britischen Innenressort. Die demografischen Projektionen bleiben der zentrale Anlass der Initiative; sie bilden die Grundlage für die nun vorgelegte migrationspolitische Agenda.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).