Das Department for Environment, Food and Rural Affairs und die Rückversicherungsorganisation Flood Re haben am 13. Oktober 2026 Pilotphasen für sogenannte Flood Performance Certificates in England angekündigt. Die neuen Zertifikate sollen Hausbesitzern, Versicherern und Kreditgebern eine einheitliche, nachvollziehbare Einschätzung des Hochwasserrisikos und der baulichen Widerstandskraft von Immobilien liefern. Erste Pilotphasen 2026 werden regional begrenzt, weitere Erprobungen sind für 2027 vorgesehen.
Kern des Ansatzes ist eine Flood Performance Rating-Skala, die standortspezifische Gefahren, Gebäudezustand und bereits umgesetzte Schutzmaßnahmen zusammenführt. Die Zertifikate sollen zugleich konkrete Verbesserungsvorschläge enthalten. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und Investitionen in Property Flood Resilience anzureizen. Nach Darstellung von Flood Re könnten nachweisbare Resilienzmaßnahmen künftig stärker in Versicherungsprämien berücksichtigt werden.
Die Initiative setzt Empfehlungen aus Regierungs- und Fachanalysen um. Im Aktionsplan FloodReady von 2025 wurde ein Prototyp für 2026 angekündigt. Branchenstudien hatten zuvor wiederholt auf Informationslücken hingewiesen, die Investitionen in bauliche Vorsorge hemmen. Standardisierte Daten über Risiko und Schutzstatus könnten Kredit- und Versicherungsentscheidungen präziser machen und Transaktionen im Immobilienmarkt mit klareren Informationsstandards unterlegen.
Offen sind zentrale Detailfragen: Welche Methodik die Bewertung genau nutzt, wie die Qualitätssicherung der Begutachtung organisiert wird und welche Kosten für Hausbesitzer entstehen. Ebenso ist ungeklärt, ob und wie FPC-Daten künftig verbindlich in Versicherungsverträge oder Hypothekenkonditionen einfließen. Regulatorische Vorgaben für Prüfer sowie Mindeststandards für Datenerhebung und Dokumentation werden entscheidend sein, um Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit zu sichern.
Die möglichen Folgen sind ambivalent. Einerseits können bessere Informationen den Schutz vor Überschwemmungen beschleunigen und Schäden verringern. Andererseits besteht das Risiko, dass schwächere Ratings zu höheren Prämien oder niedrigeren Marktpreisen führen, besonders in Gemeinden mit geringer Finanzkraft, in denen Investitionen in Resilienz schwerer zu stemmen sind. Die Ausgestaltung von Förderinstrumenten und Übergangsregelungen wird daher für die Akzeptanz der Flood Performance Certificates maßgeblich sein.
Das Ministerium betont, dass die Pilotphasen vor allem Erkenntnisse über Umsetzbarkeit, Kosten und Nutzen liefern sollen. Auf dieser Grundlage will die Regierung über die weitere Verbreitung und eine mögliche Standardanwendung entscheiden.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).