Ein Reformvorschlag des Centre for a Better Britain sorgt im Vereinigten Königreich für Debatte: Der Reform UK nahestehende Thinktank empfiehlt in seinem Bericht Boosting Britain die Abschaffung der staatlichen Rente sowie Steuersenkungen im Umfang von 75 Milliarden Pfund. Der Bericht soll am Mittwoch bei einer nichtöffentlichen Veranstaltung in der City of London vorgestellt werden. Laut den Autoren würde eine schlankere Steuer- und Regulierungsordnung Produktivität und Wohlstand steigern.
Die Vorlage sieht neben dem Ende der staatlichen Rente die Abschaffung der Erbschaftsteuer und eine weitgehende Reduktion der Kapitalertragsteuer vor. Zudem plädiert sie für lockerere Regeln für Banken im Vereinigten Königreich und für sogenannte Trump-style investment accounts: Anlagekonten, die jedem Neugeborenen ein Startguthaben von 1.000 Pfund gewähren sollen. Das Konzept wird im Umfeld von Reform UK als Baustein für das nächste Wahlprogramm gehandelt.
Die staatliche Rente ist einer der größten Posten im Sozialetat. Nach jüngsten Zahlen des Department for Work and Pensions beliefen sich die Ausgaben für Renten und verwandte Leistungen im Haushaltsjahr 2025/26 auf 146,1 Milliarden Pfund. Jede tiefgreifende Änderung des Systems hätte daher erhebliche Verteilungs- und Budgetwirkungen. Befürworter des Thinktanks argumentieren, eine stärker kapitalgedeckte Altersvorsorge und niedrigere Steuern würden Investitionen und langfristiges Wachstum fördern.
Kritik kommt aus Politik und Verbraucherschutz. Oppositionspolitiker und Sozialverbände warnen, die ersatzlose Streichung der staatlichen Rente würde die Altersarmut erhöhen und die Planbarkeit für Millionen Haushalte untergraben. Ökonomen verweisen zudem auf Verteilungswirkungen der vorgeschlagenen Steuersenkungen zugunsten höherer Vermögen sowie auf Risiken einer weiteren Deregulierung des Finanzsektors. Diese Einwände richten sich insbesondere gegen die Annahme, dass geringere Abgaben kurzfristig zu ausreichend höherem Wachstum führen, um die Haushaltslücke zu schließen.
Der Bericht setzt gleichwohl einen politischen Impuls. Er ordnet sich ein in eine breitere Auseinandersetzung über die Rolle des Staates, die Finanzierung der Altersvorsorge und die Standortpolitik des Vereinigten Königreichs. Ob und in welcher Form einzelne Vorschläge in Programme von Parteien einfließen, bleibt offen. Fest steht: Eine Umsetzung würde umfangreiche Gesetzesänderungen erfordern und wäre an die Zustimmung eines Parlaments gebunden, das die sozialen und fiskalischen Folgen sorgfältig abwägen müsste.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).