Die Metropolitan Police erprobt in Nordlondon ein neues Einsatzmodell zum Schutz von Frauen in der Straßenprostitution. In Teilen von Enfield und Haringey ist seit Oktober ein zweiköpfiges, ausschließlich weibliches Zivilteam unterwegs, das gezielt Kontakt zu Frauen aufnimmt, die auf der Straße arbeiten. Ziel ist es nach Behördenangaben, Vertrauen zu stärken, Hinweise auf Gewalt schneller zu erfassen und besonders gefährliche Täter zu identifizieren.
Der Schritt folgt auf öffentlich gemachte Versäumnisse im Fall Simon Levy. Interne und mediale Aufarbeitungen verweisen auf Entscheidungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte, durch die Warnzeichen unzureichend gewürdigt worden seien. Levy soll Frauen in London attackiert und getötet haben. Die Metropolitan Police spricht von „systemischen Fehlern“, die man beheben wolle. Eine Feststellung strafrechtlicher Schuld obliegt den Gerichten; die Polizeibewertung bezieht sich auf den Umgang mit Hinweisen und Opferaussagen.
Laut Aussagen beteiligter Beamtinnen gegenüber der BBC berichten angesprochene Frauen gehäuft von körperlicher und sexueller Gewalt durch Freier oder Dritte. Mehrere Betroffene hätten Vorfälle aus Angst vor eigener Strafverfolgung nicht gemeldet. Führende Vertreter der Metropolitan Police betonen in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, sich von der Kriminalisierung von Sexarbeiterinnen zu entfernen, um Vertrauen aufzubauen und Gewalt gegen Frauen und Mädchen wirksamer zu bekämpfen.
Expertinnen und Experten für Polizeiarbeit im Prostitutionskontext bewerten das Liaison-Modell als potenziell hilfreich, mahnen jedoch, Wirkung entstehe nur, wenn strukturelle Stigmatisierung und abschreckende Rechtsfolgen reduziert würden. Forschungsergebnisse sehen auf längere Sicht eine Entkriminalisierung als wirksamste Schutzstrategie; dies ist eine politische Bewertung, die nicht den aktuellen Rechtsstand verändert.
Rechtlicher Rahmen: In England und Wales ist der Verkauf sexueller Dienstleistungen nicht per se strafbar. Strafbar sind jedoch verschiedene Begleitdelikte wie das Betreiben eines Bordells, Zuhälterei oder bestimmte Formen des Anwerbens im öffentlichen Raum. Lokal angewandte Verfügungen zur Bekämpfung von Antisozialem Verhalten sowie polizeiliche Räumungen haben in der Vergangenheit zu Verdrängungseffekten und Misstrauen beigetragen.
Die Metropolitan Police kündigt an, den Nordlondon-Pilot nach ausgewiesenen Kriterien zu evaluieren. Bei nachgewiesener Wirksamkeit sei eine Ausweitung auf weitere Bezirke vorgesehen. Prognosen über eine nachhaltige Verringerung von Gewalt bleiben vorläufig und bedürfen unabhängiger Evaluationen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).