Die Hind Rajab Foundation hat am 26. Oktober in London Strafanzeige gegen den israelischen Reservisten Lidor Dafna gestellt. Die Organisation wirft ihm vor, als Fahrer eines D9-Bulldozers der 603. Pionierbataillon an der Zerstörung einer Getreidemühle in Gaza beteiligt gewesen zu sein und damit Verstöße wie Angriffe auf zivile Objekte sowie die Nutzung von Hunger als Kriegswaffe ermöglicht zu haben. Die Stiftung fordert Ermittlungen im Vereinigten Königreich. Die Metropolitan Police teilte auf Anfrage von Medien bis Redaktionsschluss nicht mit, ob sie den Eingang der Anzeige oder weitere Schritte bestätigt.
Die Anzeige stützt sich laut Hind Rajab Foundation auf öffentlich zugängliches Bild- und Videomaterial, das Aufenthalte und Aktivitäten des Beschuldigten am fraglichen Ort belegen solle. Die Organisation verweist auf ähnliche Eingaben in anderen Staaten, etwa Belgien und Peru, die in Einzelfällen zu polizeilichen Befragungen geführt hätten. Unabhängige Berichte, darunter ein Beitrag von Al Jazeera vom 28. Oktober, fassen die Angaben der Stiftung zusammen; offizielle Angaben aus britischen Ermittlungsbehörden zu Annahme, Prüfverfahren oder Einleitung formaler Ermittlungen liegen bislang nicht vor.
Rechtlich sind solche Verfahren in Großbritannien möglich, wenn hinreichender Anfangsverdacht auf Straftaten nach internationalem Strafrecht besteht. In England und Wales obliegt die Vorprüfung regelmäßig spezialisierten Einheiten der Metropolitan Police; für eine Anklage wären die Staatsanwaltschaft und – je nach Delikt – weitere Zustimmungen erforderlich. Fachjuristen betonen, dass die bloße Anwesenheit an einem Tatort keine individuelle strafrechtliche Verantwortung begründet. Ermittler müssten Authentizität und Herkunft des Materials, den Zeitpunkt der Aufnahmen sowie die konkrete Beteiligung prüfen.
Der Fall hat politische Dimensionen: Anzeigen gegen Soldaten im Ausland führten in der Vergangenheit zu diplomischen Reibungen zwischen London und Jerusalem. Britische Behörden wägen in vergleichbaren Konstellationen die Pflicht zur Verfolgung schwerer Völkerrechtsverbrechen gegen internationale und sicherheitspolitische Interessen ab. Ohne Bestätigung britischer Stellen verbleibt die Eingabe der Hind Rajab Foundation allerdings im Stadium einer von einer Nichtregierungsorganisation eingereichten Strafanzeige mit offenem Ergebnis.
Nach Angaben der Stiftung hält sich Lidor Dafna derzeit im Vereinigten Königreich auf. Unabhängig davon bleibt zentral, ob das vorgelegte Material die Schwelle zu förmlichen Ermittlungen in London erreicht. Erst mit einer Entscheidung der Metropolitan Police über den Prüfstatus würde der Fall in ein reguläres Ermittlungsstadium übergehen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).