Die britische Regierung will vorerst kein Datum festlegen, bis wann das Vereinigte Königreich drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben soll. Nach übereinstimmenden Medienberichten vom 29. August 2026 wird Schatzkanzler John Healey diese Entscheidung nicht im Haushalt im Oktober, sondern erst im nächsten umfassenden Spending Review treffen lassen. Regierungskreise begründen den Schritt mit der Priorität, kurzfristige Lücken in der Verteidigungsbeschaffung zu schließen und bestehende Programme abzusichern.
Dem Vernehmen nach soll der Herbsthaushalt vor allem Mittel bereitstellen, um Vorhaben aus dem Defence Investment Plan zu finanzieren und eine bestehende Beschaffungslücke zu decken. Über einen verbindlichen Pfad zur Ausweitung des Verteidigungsetats auf drei Prozent soll erst im Zuge der anstehenden, ressortübergreifenden Ausgabenprüfung entschieden werden. Ein genauer Zeitplan für diese Runde wurde bislang nicht veröffentlicht.
Politisch ist der Kurswechsel heikel. John Healey hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für einen rascheren Anstieg der Verteidigungsausgaben ausgesprochen und einen Korridor in Richtung drei Prozent bis 2030 befürwortet. Aus dem Finanzministerium verlautet nun, solide Haushaltsführung und die vollständige Finanzierung laufender Projekte hätten Vorrang vor neuen Langfristzusagen. Offizielle Festlegungen bleiben dem Haushaltsdokument im Oktober und späteren Ministerialerklärungen vorbehalten.
Kritik kommt aus Teilen der sicherheitspolitischen Debatte: Die Vertagung schwäche die Signalwirkung gegenüber Partnern in der NATO und erschwere die Planungssicherheit für Streitkräfte und Rüstungsindustrie, heißt es. Befürworter des Aufschubs halten dagegen, dass erst operative Engpässe behoben und bestehende Verpflichtungen verlässlich bedient werden müssten, bevor ein ambitionierterer Ausgabenpfad politisch fixiert werde. Die Regierung knüpft weitergehende Zusagen an den Ausgang des Spending Review.
An den Finanzmärkten sorgte die Unsicherheit über den künftigen Auftragsfluss für Bewegung: An der Londoner Börse standen einzelne Rüstungswerte zeitweise unter Druck, wie Marktberichte nahelegten. Für Industrie und Militär hängt nun viel davon ab, wann die Ausgabenprüfung startet, wie ihr Mandat zugeschnitten wird und ob daraus ein verbindlicher Pfad zum Drei‑Prozent‑Ziel hervorgeht. Bis dahin bleibt der politische Kern der aktuellen Entscheidung: Der Haushalt im Oktober nennt kein Zieldatum, die Weichenstellung erfolgt später im Rahmen der übergreifenden Ausgabenplanung.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).