In Portchester Castle in Hampshire ist eine neue Gedenktafel wenige Tage nach ihrer Enthüllung verschwunden. Die Tafel erinnerte an etwa 2.500 afrikanisch-karibische Männer, Frauen und Kinder, die 1796 als Kriegsgefangene nach Portsmouth gebracht und zeitweise in der Burg festgesetzt wurden. Mitarbeitende von English Heritage stellten das Fehlen der Tafel Mitte Oktober fest und meldeten den Vorfall der Hampshire and Isle of Wight Constabulary. Nach Angaben des Betreibers wurde zudem ein Vorhängeschloss an einem Burgtor entfernt. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung.
Die Tafel war am 9. Oktober 2026 im Rahmen einer Gedenkfeier enthüllt worden. Die Veranstaltung organisierte St Vincent and the Grenadines 2nd Generation (SV2G) gemeinsam mit der University of Warwick und English Heritage. Delegierte aus der Karibik und aus Belize, darunter Angehörige der Garifuna, nahmen teil. Rednerinnen und Redner bezeichneten die Tafel als sichtbares Zeichen für ein bislang wenig beachtetes Kapitel britischer und karibischer Geschichte. Die Einweihung fiel in den Black History Month und war als Beitrag zur öffentlichen Erinnerungskultur konzipiert.
Nach der Entwendung betonten Angehörige und Vertreter karibischer Gemeinschaften, der Vorfall spiegele fortbestehende rassistische Einstellungen wider. Diese Einschätzung ist eine Zuschreibung der Betroffenen. English Heritage sprach von einer Tat, die der historischen Bildungsarbeit schade, und verwies auf laufende Vermittlungsangebote zur Geschichte der Gefangenen am Standort. Die University of Warwick unterstrich die Bedeutung sichtbarer Erinnerungsorte für Forschung und Lehre.
Historische Recherchen der vergangenen Jahre haben die Vorgänge von 1796 detaillierter erschlossen. Demnach trafen Gefangene – darunter zahlreiche schwarze und gemischtrassige Personen – aus dem Karibikraum in Großbritannien ein und wurden zeitweilig in Portchester Castle interniert. Auf den Burggeländen erinnern heute Ausstellungen und Bildungsprogramme an diese Episode.
Offen ist, ob und wann die gestohlene Tafel ersetzt werden kann. English Heritage prüft nach eigenen Angaben Sicherungsmaßnahmen für Gedenkzeichen auf frei zugänglichen Arealen. Unabhängig davon wird erwartet, dass die Debatte über Schutz, Sichtbarkeit und Kontextualisierung von Erinnerungsorten an kontroverse und schmerzhafte Aspekte der Geschichte an Fahrt gewinnt. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).