Politik

Ex-Finanzminister Osborne fordert Rückkehr in die Europäische Union‑Zollunion

George Osborne hat laut einem Interview vom 12. September 2026 eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die EU‑Zollunion gefordert und den Brexit als wirtschaftlichen Schaden bezeichnet.

George Osborne, Finanzminister von 2010 bis 2016 und heute Vorsitzender des British Museum, hat eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die EU‑Zollunion gefordert. In einem am 12. September 2026 veröffentlichten Interview mit The Independent sagte er, der Brexit habe der britischen Wirtschaft erheblich geschadet; der Weg über eine Zollunion sei ein pragmatischer Schritt, um Handelshemmnisse abzubauen und Investitionen zu beleben. Osborne verglich die Niederlage der Pro‑EU‑Seite im Referendum 2016 mit der historischen Schlacht bei Hastings und argumentierte, aus Niederlagen müssten Lehren für eine realistische Wiederannäherung an Europa gezogen werden.

Sachlich beträfe eine Zollunion vor allem Zölle und Ursprungsregeln: Sie könnte Einfuhrabgaben zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union beseitigen und die Notwendigkeit vieler Ursprungsnachweise reduzieren. Sie würde jedoch keine automatische Angleichung von Produktstandards oder Dienstleistungsregeln bewirken; Grenzformalitäten und Kontrollen blieben für regulatorische Anforderungen weiterhin relevant. Osborne betonte, sein Vorschlag impliziere nicht die Rückkehr zur Freizügigkeit von Personen.

Die Regierungslinie bleibt zurückhaltend. Die Labour‑Regierung hat wiederholt erklärt, sie strebe engere wirtschaftliche Beziehungen zur Europäischen Union an, habe jedoch keinen Beschluss gefasst, der einen Wiedereintritt in die EU‑Zollunion oder in den Binnenmarkt vorsieht. Auch in Brüssel signalisieren Institutionen grundsätzlich Offenheit für eine Vertiefung der Partnerschaft, verweisen aber darauf, dass jede Erleichterung im Warenhandel politische Bedingungen und Aufsichtsregeln nach sich ziehen kann.

Politische Einordnung: Osbornes Vorstoß ist die Position eines prominenten ehemaligen Ministers, nicht Regierungspolitik. Er fällt in eine Phase, in der Unternehmen und Branchenverbände auf bürokratische Reibungen seit dem Austritt aus dem Binnenmarkt hinweisen. Befürworter einer Zollunion verweisen auf potenzielle Entlastungen für Lieferketten und Exporteure. Gegner warnen vor Kompetenzabgaben in der Handelspolitik und sehen den Schritt als Rückbau des Brexit‑Kurses. Wie weitreichend eine Neujustierung möglich ist, hängt von Mehrheiten in Westminster und von Verhandlungen mit der Europäischen Union ab.

Das Interview wurde von mehreren Medien aufgegriffen. Der aktuelle Nachrichtenanlass ist Osbornes Forderung vom 12. September 2026; sie reaktiviert eine Debatte, die seit Jahresbeginn durch Gespräche über engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen London und Brüssel erneut an Fahrt gewonnen hat.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk