In Großbritannien flammt die Debatte über die fiskalischen Folgen des Bilanzabbaus der Bank of England (BoE) wieder auf. Auslöser sind neue Kommentare und Auswertungen, die kritisieren, dass die Kombination aus höheren Zinsen auf Zentralbankreserven und Bewertungsverlusten im Anleiheportfolio die öffentlichen Finanzen belastet und zusätzliche Zahlungen aus dem Staatshaushalt notwendig macht.
Kern der Auseinandersetzung ist die Abwicklung der während der quantitativen Lockerung aufgebauten Bestände im Asset Purchase Facility (APF). Die BoE reduziert diese Bestände seit 2022 im Rahmen des Quantitative Tightening. Da die Bank Rate seither deutlich gestiegen ist, liegen die Zinsausgaben auf die von der BoE geschaffenen Reserven über den Kuponerträgen vieler erworbener Gilts. Die daraus entstehenden Verluste fallen im APF an, das durch eine staatliche Indemnität abgesichert ist: HM Treasury gleicht negative Kassenpositionen aus, nachdem in früheren Jahren Überschüsse aus dem APF an das Finanzministerium geflossen waren.
Analysten und Medienbeiträge beziffern die möglichen Nettoeffekte über mehrere Jahre auf zweistellige Milliardenbeträge; die Spannbreiten unterscheiden sich je nach Annahmen zu Zinsniveau, Laufzeitenprofil und Geschwindigkeit des Bilanzabbaus. Das Office for Budget Responsibility hat in jüngsten Projektionen auf kassenwirksame Nettoabflüsse hingewiesen. Studien von Marktteilnehmern, darunter der Deutschen Bank, kommen zu ähnlichen Größenordnungen, betonen jedoch, dass der Pfad der Bank Rate und die Marktliquidität für Gilts zentrale Unbekannte bleiben.
Umstritten ist vor allem die Methode des Abbaus. Kritiker monieren, aktive Verkäufe von Gilts könnten Verluste realisieren, die bei einem reinen Auslaufenlassen geringer ausfielen. Befürworter halten dagegen, dass ein planbarer, breit kommunizierter Abbau die geldpolitische Transmission stärkt, Bilanzrisiken reduziert und die Unabhängigkeit der BoE unterstreicht. Die Zentralbank verweist darauf, dass Entscheidungen zur Bilanzpolitik in den geldpolitischen Auftrag eingebettet sind, während die fiskalischen Konsequenzen über die mit HM Treasury vereinbarte Absicherung adressiert werden.
Faktenlage und Zuschreibung trennen sich damit klar: Unstrittig sind die Mechanik des APF, die Indemnität durch HM Treasury und die seit 2022 gestiegene Bank Rate. Höhe und Dauer der daraus resultierenden Staatstransfers sind hingegen Annahmen und Projektionen externer Analysen. Politisch berührt die Debatte die Abgrenzung von Geld- und Fiskalpolitik, die Steuerung künftiger Zinsrisiken und die Platzierung britischer Staatsanleihen am Markt.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).