Die Ökonomin Catherine Mann, Mitglied des Monetary Policy Committee der Bank of England, rechnet mit einem Wiederanstieg der Inflation im Vereinigten Königreich auf rund 4 Prozent um den Jahreswechsel. In einer Rede am 6. Oktober 2026 in London sagte sie, der erwartete Anstieg sei vor allem durch höhere Energiepreise und eine erneute Beschleunigung der Nahrungsmittelpreise getrieben. Der Zeitpunkt falle zudem in eine Phase wichtiger Lohnverhandlungen, was aus Sicht der Geldpolitik heikel sei.
Mann betonte, es handle sich um eine Prognose mit Unsicherheiten. Der Verlauf hänge wesentlich von der Entwicklung der Energiepreise und der Lohnabschlüsse ab. Sie verwies zugleich auf jüngste Projektionen der Bank of England, die für Q1 2027 Inflationsraten um die 4‑Prozent‑Marke nahelegen. Die Äußerungen knüpfen an die Debatte im Monetary Policy Committee an, das in den Protokollen der Sitzung vom September 2026 weiterhin Inflationsrisiken hervorhob.
Als Risiko nannte Mann mögliche Zweitrundeneffekte: Steigende Verbraucherpreise und kräftige Lohnforderungen könnten sich gegenseitig verstärken und die Rückkehr zur Zielinflation verzögern. Für die Bank of England folgt daraus, dass die Verankerung der Inflationserwartungen eng zu beobachten ist. Gleichzeitig verwies Mann darauf, dass die finanziellen Bedingungen an den Märkten zwar straffer wirkten, ein Teil dieser Straffung jedoch aus höheren Risiko‑ und Unsicherheitsaufschlägen resultiere.
Die Einschätzung hat unmittelbare Konsequenzen für die Zinspolitik. Sollte die Inflationsrate tatsächlich in Richtung 4 Prozent steigen, müsste die Notenbank abwägen, ob die Bank Rate länger auf einem restriktiven Niveau gehalten oder erneut angehoben wird. Ein zu frühes Nachgeben birgt das Risiko einer hartnäckig hohen Teuerung; zusätzliche Anhebungen würden jedoch die Belastungen für Haushalte, Unternehmen und den Staatshaushalt erhöhen.
Manns Warnung fällt in eine Phase gemischter Signale aus der Wirtschaft: Während Teile des Arbeitsmarkts noch angespannt sind, mehren sich Hinweise auf nachlassende Dynamik in zinsabhängigen Sektoren. Für Arbeitgeber und Gewerkschaften erhöhen die unsicheren Aussichten den Druck, die Lohnverhandlungen an kurzfristigen Preisbewegungen auszurichten. Ob die Inflation zum Jahreswechsel tatsächlich nahe 4 Prozent liegt, bleibt damit eine Prognose – der Zielkonflikt der Geldpolitik ist jedoch klar umrissen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).