Naturschützer haben für die Brutsaison 2026 einen deutlichen Wiederaufbau der Seevogelbestände an der Südküste Englands gemeldet. Am Schutzgebiet Pagham Harbour in West Sussex brüteten in diesem Jahr nach Angaben der Naturschutzorganisation RSPB 756 Paare der Brandseeschwalbe – drei Jahre nachdem die Kolonie 2022 durch eine Welle hochpathogener Vogelgrippe vollständig zusammengebrochen war.
Der aktuelle Anlass ist die Veröffentlichung der Zählergebnisse für 2026. Demnach sind die Bestände an diesem Standort von null auf 756 Brutpaare gestiegen. Die RSPB führt den Zuwachs auf ein Bündel an Maßnahmen zurück: Brutflächen wurden abgesperrt, Störungen minimiert und Prädation engmaschig überwacht. Zugleich half das Netzwerk benachbarter Küstenlebensräume im Solent, etwa in Langstone Harbour, den Vögeln beim Ausweichen und bei der erneuten Ansiedlung. Fachleute betonen die Bedeutung mehrerer geeigneter Standorte in kurzer Distanz, damit Koloniearten nach Verlusten rascher wieder Tritt fassen.
Die Vogelgrippe hatte im Sommer 2022 zahlreiche Seevogelkolonien im Vereinigten Königreich schwer getroffen. Besonders betroffen waren Seeschwalben, Lachmöwen und Austernfischer. Seitdem erfassen RSPB und Partner die Bestandsentwicklung und untersuchen, wie sich Infektionen verbreiten und welche Faktoren Erholung begünstigen. Regionale Monitoringprogramme im Solent verweisen auf die Rolle gezielter Schutzmaßnahmen, kombiniert mit Metapopulationsdynamiken zwischen mehreren Koloniestandorten.
Die Erholung in Pagham Harbour gilt als ermutigendes Signal, ersetzt jedoch nicht die anhaltende Verwundbarkeit der Bestände gegenüber neuen Ausbrüchen. Fachleute warnen, dass einzelne gute Saisons nicht automatisch den langfristigen Trend umkehren. Notwendig bleiben eine verbesserte Überwachung der Kolonien, Forschung zu Infektionsdynamiken sowie ein koordiniertes Management von Brutplätzen entlang des Solent. Darüber hinaus empfehlen Naturschutzverbände, Küstenhabitate widerstandsfähiger zu machen, einschließlich einer Reduktion lokaler Störfaktoren und des Schutzes flacher Nahrungsgründe.
Die RSPB ordnet die 2026 gemeldeten Zahlen als vorläufigen Erfolg ein. Ob sich der Aufwärtstrend verfestigt, hängt von den Bedingungen in den kommenden Saisons ab, darunter Witterung, Beuteverfügbarkeit und das erneute Auftreten der Vogelgrippe. Klar ist aus Sicht der Fachleute: Vernetzte und gut gemanagte Brutgebiete bleiben der Schlüssel, um koloniebildenden Arten im Solent und darüber hinaus eine stabile Perspektive zu eröffnen.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).